IGM metall Extra 12.12.1978 . Unsere Antwort auf die Aussperrung

Bemerkungen: Streikzeitung; Aufruf zur Teilnahme an Solidaritätskundgebungen in NRW, Osnabrück und Bremen in spanischer, türkischer, griechischer, italienischer, jugoslawischer und portugisiescher Sprache. [] = Absatzmarken im Volltext des Originals Für alle IG Metaller in NRW, Stahlwerke Südwestfal...

Full description

Bibliographic Details
Main Authors: Industriegewerkschaft Metall (IG Metall), Bezirk Essen, Industriegewerkschaft Metall (IG Metall), Bezirk Hagen, Industriegewerkschaft Metall (IG Metall), Bezirk Köln, Industriegewerkschaft Metall (IG Metall), Bezirk Münster, Herb, Kurt, Schmidt, Werner, Bräuer, Karlheinz, Kolks, Bernhard, Union-Druckerei, Frankfurt am Main
Institution:Archiv der sozialen Demokratie (AdsD)
Format: IMAGE
Language:German
Published: 28.11.1978 - 23.03.2000
Subjects:
Online Access:http://hdl.handle.net/11088/D1CDB134-8059-4D7A-BC9C-5A30BAE15BF5
Description
Summary:Bemerkungen: Streikzeitung; Aufruf zur Teilnahme an Solidaritätskundgebungen in NRW, Osnabrück und Bremen in spanischer, türkischer, griechischer, italienischer, jugoslawischer und portugisiescher Sprache. [] = Absatzmarken im Volltext des Originals Für alle IG Metaller in NRW, Stahlwerke Südwestfalen, Bremen und Osnabrück [] EXTRA [] metall [] 12.12.1978 [] So muß es heute in allen Städten aussehen: 30 000 demonstrierten am Freitag in Duisburg [] Arbeitsgericht entschied. Kundgebungen sind rechtens [] Unsere Antwort auf die Aussperrung [] Jetzt haben die Arbeitgeber auch von den Gerichten eine saftige Abfuhr erhalten: Ihr Versuch, durch eine einstweilige Verfügung die IG Metall dazu zu zwingen, den Aufruf zur Teilnahme an den heutigen Solidaritätskundgebungen zurückzunehmen, wurde in zwei Instanzen von Düsseldorfer Arbeitsgerichten abgelehnt. Damit ist eindeutig sichergestellt, daß eine Beteiligung an den Solidaritätsaktionen für die Sicherung der Arbeitsplätze und gegen die Aussperrung vollkommen rechtens ist. [] Folgt darum, und jetzt erst recht, der Aufforderung der IG Metall: Kommt alle - Streikende oder Ausgesperrte, Arbeitnehmer in der Eisen- und Stahlindustrie, Beschäftigte der metallverarbeitenden Industrie, Mitglieder aller DGB-Gewerkschaften - zu den Kundgebungen. Kommt auch, wenn dies während der Arbeitszeit geschieht. [] Vor allem sollte sich niemand durch plumpe Einschüchterungsversuche der Arbeitgeber beirren lassen. [] In einigen Betrieben versuchen die Unternehmer, durch betriebliche Aushänge der Belegschaft einzureden, eine Teilnahme an der Solidaritätsaktion sei "rechtswidrig". Die gerichtlichen Entscheidungen von Düsseldorf entsprechen der Auffassung der IG Metall, daß die Beteiligung an den Solidaritätskundgebungen dem geltenden Rech entspricht. [] Der Vorstand der IG Metal der gestern in Mülheim/Ruhr sich mit der Situation im Kampfgebiet befaßte, begrüßte die Entscheidung de Gerichte. Es wurde nochmals betont, wie wichtig es sei, da sich alle IG Metaller an diese Solidaritätsaktionen gegen die Aussperrung beteiligen Die Arroganz der Arbeitgeber wird heute eine klare Antwort bekommen. [] [...Text in italienisch...] [] [...Text in yugoslawisch...] [] [...Text in portugiesisch...] [] [...Text in türkisch...] [] [...Text in griechisch...] [] [...Text in spanisch...] [] Eugen Loderer sprach zu 30 000 Kolleginnen und Kollegen [] Größte Kundgebung, die Duisburg je sah [] "Der gesamte Nahverkehr steht seit 12 Uhr still. Damit zeigen unsere Kolleginnen und Kollegen von der ÖTV, was Solidarität ist." Duisburgs 2. IGM-Bevollmächtigter, Willi Schmolz, erntete Bravo-Rufe und Klatschen für diese Lautsprecherdurchsage auf dem Duisburg-Hamborner Alt markt. Dort hatten sich rund 30 000 Arbeitende aus den verschiedensten Branchen während der Arbeitszeit eingefunden, um gemeinsam mit den streikenden und ausgesperrten Stahlarbeitern gegen das Unternehmer-Willkürmittel Aussperrung zu protestieren. IGM-Vorsitzender Eugen Loderer wurde oft von Beifall unterbrochen. Zum Beispiel, wenn er auf die Sozialbindung des Eigentums in Artikel 14 des Grundgesetzes hinwies und das Verbot der Aussperrung forderte: "Diese Willkür der Arbeitgeber ist erst durch die Rechtsprechung möglich geworden, deshalb muß sie durch eine andere Rechtsprechung unmöglich gemacht werden. Deshalb sind wir entschlossen, unsere Klagen gegen die Aussperrung durch alle Instanzen hindurch auszufechten." Viele der Stahlkollegen trugen Plastikschilde am Revers: "Ausgesperrt". Dazu der Firmenname des Aussperrers. Immer wieder schallten [] Sprechchöre auf: "Esser, Esser, Stahlarbeiterfresser" oder "Wer aussperrt gehört eingesperrt". [] Mit Eugen Loderer und Bezirksleiter Kurt Herb waren auch die geschäftsführenden [] Vorstandsmitglieder der IGM Hans Janßen und Rudolf Judith, zu dieser größten Kundgebung gekommen, die Duisburg je sah. Sie wurden ebenso freudig begrüßt wie der DGB-Kreisvorsitzende. [] Auftakt für die heutigen Kundgebungen: 30 000 demonstrierten am Freitag in Duisburg [] Gelungenes Fest in Hüttenheim [] Gesang und Tanz im Streiklokal [] Für einen Abend lang war aus dem Streiklokal bei Mannesmann Hüttenheim ein Folkloresaal geworden. Die IGM und die "Föderation türkischer Arbeitervereine in der BRD" (Fidef) hatten gemeinsam zum "Streikfest" eingeladen - und im Nu war der Saal mit türkischen und deutschen Kolleginnen und Kollegen gefüllt. Sie sangen und tanzten gemeinsam. Und immer wieder gab es Beifallsstürme, zum Beispiel, als die BR-Vorsitzenden von Coles Krane (zwei Drittel der Belegschaft wurden wegen Produktionsverlagerung entlassen) und von Standard Kessel Grüße und Solidaritätsspenden der Metallerüberbrachten, als türkische Bergarbeiter aus Recklinghausen musizierten und tanzten, als der Brecht-Chor aus~ Essen auftrat, als ein hauptamtlicher Kollege von HBV "Aktionen" ankündigte. [] Gegen die "verlogenen und aufwendigen Anzeigen der Arbeitgebar" setzten 77 Kolleginnen vom DGB-Frauenausschuß Gelsenkirchen und Hausfrauen aus eigenen Mitteln diese Anzeige in die WAZ und die Buersche Zeltung. [] 25. November 1978 [] Wir Gelsenkirchener Frauen [] unterstützen den gewerkschaftlichen Kampf der Stahlarbeiter für die Einführung der 35.Stunden-Woche. Sie bringt mehr Arbeitsplätze für Männer und Frauen, mehr Zeit für Erholung und Familie. Daß sind Forderungen, für die auch wir als Frauen seit langem eintreten. Die Arbeitgeber sind dagegen und wollen mit Aussperrung Ihren Willen durchsetzen. Wir stehen auf der Seite der Stahlarbeiter und Ihrer Familien! [] G. Alders / E. Beuvers / R. Blank / M. Blasey / G. Bojahr / M. Beerlage / P. Breme / W. Büscher / S. Conrad / A. Czybulski / M. Dönnemann / I. Dorneck / J. Dostlebe / M. Eisenbach / D. Eiserbeck / H. Ernst / D. Ewering / I. Faustmann / B. Friedland / U. Gertz / S. Giehler / U. Goos / I. Gorecki / L. Gossen / I. Groenitz / R. Hamer / B. Hanffstengel / G. Hartung / C. Heinig / D. Heß / M. Kaiser / A. Kemmler / I. Kibgis / R. Kirsch / G. Klaus / U. König / I. Konrad / M. Kruschel / M. Kulawik / M. Kummerhoff / B. Kutzner / R. Limpert / U. Lindemann / B. Link / G. Majewski / E. Majorczik / E. Menzel / G. Meyer / H. Müller / H. Nagel / A. Nüssgen / E. Peine / M. Pöritz / T. Püttmann / M. Reimann / I. Rehberg / H. Riewald / U. Röben / K. Rüping / S. Sawallich / E. Sawatzki / U. Schneider / A. Schneidersmann / M. Schröer / C. Spiekermann / A. Spies / I. Stange / C. Talhorst / M. Teuling / V. Tietz / B. Todeskino / C. Wartmann / U. Westphal / M. Wieczorek / W. Willig / B. Witteck / R. Rinke. [] Wir wollen unsere Solidarität auch mit einer Spende für die Versorgung von Streikposten erweisen. Wer sich beteiligen will: [] Kto. Kaiser/Röben "Stahlarbeiter-Solidarität" Nr. 20 605 733, Bank für Gemeinwirtschtaft, Gelsenkirchen [] Veantw.: M. Kaiser. Industriestr. 8, 4630 Gelsenkirchen [] U. Röben, Marler Str. 4, 4660 Gelsenk.-Buer [] Streiflichter vom Arbeitskampf in der Eisen- und Stahlindustrie [] "Aussperrung unerträglich" [] Frauen von Beschäftigten der Hoesch-Hüttenwerke trafen sich bei Kaffee und Kuchen in Dortmund. Für Unterhaltung sorgte, wie schon so oft in diesen Streiktagen, Fasia Jansen. An diesem Nachmittag wurde jedoch nicht nur gesungen und gelacht, sondern auch ernsthaft diskutiert. [] Rita Raguse, Frau eines Ausgesperrten, gab mit wenigen Sätzen die Haltung der Frauen wieder, als sie sagte: "Hier geht es nicht um irgendwelche ,Dönekes' am Rande. Vorrangig geht es um Arbeitsplätze. Viele Frauen haben jetzt auch erkannt, wie wichtig die Mitgliedschaft und der richtige Beitrag in der IG Metall ist. Herzlich begrüßt wurde eine Delegation von Bergarbeiterfreuen aus Gelsenkirchen, die eine Geldspende für die ausgesperrten Metaller übereichten. [] "Ich will ein ungeschminktes Bild haben!", sagte Egon Bahr, Bundesgeschäftsführer der SPD, zu den Streikposten bei Thyssen in Hamborn. Lange diskutierte er mit den Stahlkochern vor Tor 1 und Tor 3. Einhellig hörte er, daß Priorität in diesem Arbeitskampf die Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit hat. Egon Bahr an die Metaller vor den Werkstoren: "Kollegen, Ihr könnt sicher sein, daß die Sozialdemokraten an Eurer Seite stehen." Spitzenpolitiker der anderen im Bundestag vertretenen Parteien CDU/CSU und FDP konnten Ausgesperrte und Streikende bis jetzt noch nicht begrüßen. []Egon Bahr bei den Streikposten [] Ein Kartell des Schweigens unterdrückt seit Mittwoch vergangener Woche den Beschluß des DGB, der alle DGB-Mitglieder im Kampfgebiet zur Teilnahme an den IG Metall-Kundgebungen aufgefordert hatte. Wir haben keine Zeitung gesehen, die diese praktische Solidarität auch nur mit einer Zeile erwähnt hätte. Zufall ist da ausgeschlossen, denn der DGB hat seinen Beschluß sofort per Fernschreiben an alle Nachrichtenagenturen durchgegeben. Pressefreiheit heißt heute: Die Arbeitgeber in den Verlagen sind so frei, Nachrichten verschwinden zu lassen, die für ihre Arbeitgeber-Kumpane bei Eisen- und Stahl stören könnten. [] "Soviele bekommt nicht einmal der Schützenverein auf die Straße", kommentierte ein Kollege den Demonstrationszug durch die Werdohler Innenstadt. Für die Fahrzeuge und Fußgänger war gestern kein Platz mehr, als sich der Zug der ausgesperrten Kolleginnen und Kollegen durch die Straßen der Lennegemeinde bewegte. Bauarbeiter krabbelten aus den Kabelschächten, Verkäuferinnen ließen ihre Kassen im Stich, um sich den Demonstrationszug anzusehen. [] Die Kooperation zwischen IG Metall und Ruhr-Universität Bochum trägt Früchte. Gegenwärtig kommt die Arbeitsgruppe "Betriebsräte und universitäre Weiterbildung'' in die Streiklokale und gibt in Kurzvorträgen Informationen zur Aussperrung. [] Fasia Jansen singt, wie schon oft In diesen Streiktagen [] Aus den Stahlbetrieben kommen wir [] (Zu singen nach der Melodie "Von den blauen Bergen kommen wir ...") []Aus den Stahlbetrieben kommen wir, [] aus dem Ruhrrevier, wir Frauen und Männer, [] uns're Hände sprechen Bände [] von der Arbeit ohne Ende - [] aus den Stahlbetrieben kommen wir []Singen heja - und nun geht es rund, []kämpfen um die 35-Stund, []singen heia, hoppla, []heja, hoppla, [] kämpfen um die 35-Stund. []Unser Stahl geht in die ganze Welt, []unser Boß kassiert dafür das Geld, [] seine Hände sprechen Bände [] von dem Zählen ohne Ende - []unser Boß, der zählt so gern sein Geld. [] Singen heja - und nun geht es rund ... [] "Aber Leute, nein, so geht das nicht!", [] spricht vom Stahlverband ein hoher Wicht, [] Eure Hände müssen schaffen, [] denn wie sollen wir sonst raffen", [] spricht vom Stahlverband ein hoher Wicht. [] Singen heja - und nun geht es rund ... [] Und nun drohen uns die hohen Herrn [] mit Gewalt jetzt alle auszusperr'n, [] so wie gestern noch die Drucker [] kriegen Peitsche wir statt Zucker - [] ja, das ist die Art der hohen Herrn. [] Singen heja - und nun geht es rund ... [] Die Gewerkschaft, ja, die gibt uns Kraft, [] damit der Stahlverband sein Ziel nicht schafft, [] und wir reichen uns die Hände [] und wir schaffen auch die Wende, [] die Gewerkschaft, ja, die gibt uns Kraft. [] Singen heja - und nun geht es rund ... [] Herausgeber: IG-Metall-Bezirke Essen, Hagen, Köln, Münster [] Verantwortlich für den Inhalt: Kurt Herb, Werner Schmidt, Karlheinz Bräuer, Bernhard Kolks [] Druck: Union-Druckerei, Theodor-Heuss-Allee 90--98, 6000 Frankfurt/Main
Published:28.11.1978 - 23.03.2000