Prof. Dr. Erhards Dank an die Oberhausener CDU-Wähler!

Bemerkungen: [] = Absatzmarken im Volltext des Originals; Prof. Dr. Erhards Dank an die Oberhausener CDU-Wähler! [] "Da ich nunmehr meine, mir seit Kriegsende durch das deutsche Unternehmertum übertragene Aufgabe zur Zufriedenheit meiner Auftraggeber durchgeführt habe, finde ich die Zeit, allen...

Full description

Bibliographic Details
Main Authors: Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD), Ortsverein Oberhausen, Carl Lange Verlag Druckerei, Oberhausen
Institution:Archiv der sozialen Demokratie (AdsD)
Format: IMAGE
Language:German
Published: 07.1948 - 12.1948
Subjects:
Online Access:http://hdl.handle.net/11088/6C0881EA-040E-4A3E-9411-2A3D143BE49E
Description
Summary:Bemerkungen: [] = Absatzmarken im Volltext des Originals; Prof. Dr. Erhards Dank an die Oberhausener CDU-Wähler! [] "Da ich nunmehr meine, mir seit Kriegsende durch das deutsche Unternehmertum übertragene Aufgabe zur Zufriedenheit meiner Auftraggeber durchgeführt habe, finde ich die Zeit, allen Wählern, die ihre Stimme für die CDU abgaben, zu danken. [] Auf Ehre, sehr geehrte CDU-Wähler, dieser Dank erfolgt von ganzem Herzen, denn nur durch Ihre Stimmenabgabe war es mir, d.h. der Christlich-Demokratischen-Union, möglich, alle Aemter in Frankfurt zu besetzen, die besetzt werden mußten, um meinen Auftraggebern erfolgreich dienen zu können, [] Sie werden es verstehen, daß ich es jetzt nach der Währungsreform nicht mehr notwendig habe, meinen Auftrag zu verheimlichen. [] Er lautete: [] Rettung des deutschen Unternehmertums vor den sozialdemokratischen Bestrebungen [] Stellen Sie sich vor, diese Partei hatte es sich zum Ziel gesetzt, die Vorherrschaft meiner Auftraggeber zu beseitigen. Darüber hinaus wollte sie die gesamte Gesellschaftsordnungändern. [] Mit anderen Worten, die SPD wollte einen Zustand herbeiführen, der dem Arbeiter, dem Angestellten, dem Beamten Mitbestimmungsrechte in allen Produktionsbetrieben gab. [] Ja, noch mehr, sie wollte sogar, daß alle Schlüsselindustrien, wie Kohlewirtschaft, Großchemie, Stahl und Eisen und Energiewirtschaft, in die Hände des Volkes gelegt würden. [] Sie wollte, daß es keine Ausbeuter und Kriegsvorbereiter mehr geben sollte. [] Ich frage Sie, verehrte CDU-Wähler, wo kämen wir hin, wenn wir diesen sozialistischen Forderungen nachkommen würden? [] Ich sah vielmehr meine hohe Aufgabe darin, den armen Industriebesitzern, die durch den verlorenen Krieg vollkommen auf den Hund gekommen waren, wieder in den Sattel zu verhelfen. [] Hatte der deutsche Kapitalismus nicht genügend Opfer gebracht? [] Ich denke vornehmlich an die langen und kostspieligen Kriegsvorbereitungen. [] Irgendwie mußte ich einen Ausgleich für die entgangenen Rüstungsgewinne schaffen. Vor allem aber auch mußte ich dafür Sorge tragen, daß die durch den Ausgang des Krieges eingetretene Verschuldung Deutschlands möglichst auf die breitesten Schultern geladen wurde. [] Der arbeitende Mensch ist breitschultrig und kräftig und hat bisher immer alle Lasten des Vaterlandes getragen. Warum nicht auch die jetzigen? [] Sie können mir doch folgen, verehrte Freunde und verstehen darum auch alle Maßnahmen, die ich ergriff, um Industrie und Besitzbürgertum nicht nur zu schützen, sondern zu unterstützen. [] Die größte Chance bot sich mir durch die Währungsreform. [] Meine CDU- und FDP-Kollegen vom Frankfurter Wirtschaftsrat unter meiner Führung, empfahlen der Industrie, Waren zu horten. (Uebrigens, wir und die FDP sind Brüder mit gleichen Kappen.) [] Ich erreichte damit, daß die von mir behüteten Kreise mit prall gefüllten Lägern über die Währungsreform hinwegkamen. [] Und wie das geklappt hat, haben Sie, verehrter CDU-Wähler, am Tage nach der Geldreform mit staunenden Augen sehen können. [] Erinnern Sie sich der plötzlich gefüllten, bis dahin leeren Schaufenster mit Waren, von deren Existenz bis zu dem Tage außer den Eingeweihten kaum einer eine Ahnung hatte? [] Die Sozialdemokraten schienen Wind von der Sache bekommen zu haben, denn sie beantragten im Wirtschaftsrat ein Enthortungsgesetz, was aber dank unseres Uebergewichts in die Schublade wanderte. [] Die Hortung aber allein, genügte mir nicht: [] denn die vorhandene Ware reichte nicht aus, um das gesamte, schöne, neue und gute Geld [] aus dem Geldbeutel der warenhungrigen Bevölkerung zu ziehen. [] Ich kam daher auf den Gedanken, eine Reihe der Konsumgüter aus der Bewirtschaftung herauszunehmen und den Preisstop aufzuheben. [] Es war mir eine Freude, zu sehen, wie die Preise in die Höhe sprangen, und die Kopfquoten schnell in die Taschen meiner Auftraggeber wanderten. [] Es tut mir nicht leid, daß ich auf Sie, meine Wähler der CDU, aus den Kreisen der Arbeiter, Angestellten und Beamten keine Rücksicht nahm, denn auch Ihr Geld brauchte ich dringend als Blutspende für das Wiedererstehen des deutschen Kapitalismus. [] Ich bin überzeugt, daß Sie auf Grund meiner Freimut bei den nächsten Wahlen wiederum in treuer Verbundenheit die CDU wählen werden. [] Ich verspreche Ihnen, daß der schwebende Lastenausgleich dann eine Durchführung erfährt, wodurch Ihnen auch das Letzte aus der Lohntüte genommen wird. [] Vertrauen Sie nur auf die Christlich-Demokratische-Union und mich, [] Ihr Dr." [] Nein, nicht Dr. Erhard, denn mit solcher offenen Ehrlichkeit hätte er sich und die Christlich-Demokratische-Union demaskiert. [] Stattdessen spricht er und seine CDU-Kollegen viel im Rundfunk, hält Pressebesprechungen ab und gibt Interviews. [] "Der große Wurf ist gelungen, meine Rechnung geht auf", ruft Dr. Erhard. [] Jawohl, sehr verehrter Herr Wirtschaftsdirektor Dr. Erhard, Ihre Rechnung geht für Ihre Auftraggeber auf! [] Geht aber die Rechnung unserer Hausfrauen, unserer Rentner und Invaliden auf? [] Nein, denn es sieht so aus: [] Niedrige Einkommen, schwindelhohe Preise. [] Hausfrauen! [] Was kostet ein Ei, [] was ein Pfund Obst, [] was ein Paar Schuhe, [] was ein Kleid, [] was ein Kochtopf? [] Ellenlang ist die Liste der Verbrauchsgüter, deren Preise ins unerschwingliche gestiegen sind. [] Hausfrauen, Ihr seid die Finanzverwalter der Familie, Ihr habt die Verantwortung für Eure Angehörigen. [] Ihr habt mit den Pfennigen zu rechnen und Ihr seid es, in denen die bange Frage lastet: "Wie kommen wir jetzt und zukünftig zurecht?" [] Aus dieser Verantwortung, Mausfrauen, [] sagt nein, [] zu der Frankfurter CDU-Wirtschaftspolitik; [] sagt nein, zu den hohen Preisen. [] Aus dieser Verantwortung, Hausfrauen, [] erhebt die Forderung nach gerechter Warenverteilung, nach gerechtem Preis. [] Erhebt aber diese Forderungen nicht nur, sondern handelt danach. [] Kauft erst dann, wenn die Preise dem Einkommen angepaßt sind. Nur dann kann der Erfolg nicht ausbleiben. [] Zum Nachdenken herausgegeben und überreicht von der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, Ortsverein Oberhausen. [] Verantwortl. für den Inhalt: SPD, Oberhausen (Rhld.), Marktstr. 67. Carl Lange Verlag Druckerei, Oberhausen (Rhld.), 0. 1813/20000 VIII 48
Published:07.1948 - 12.1948