Du und die Stadt Dessau

Bemerkungen: [] = Absatzmarken im Volltext des Originals; Gedicht DU [] und die Stadt Dessau [] Kleiner Leitfaden für den Wähler zur Gemeinderatswahl am 8. September 1946 [] Wollt ihr die Freiheit, so seid keine Knechte! [] Wollt ihr das Glück, so schaffet das Rechte! [] Wollt ihr die Früchte, so a...

Full description

Bibliographic Details
Main Authors: Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED), Dessauer Druckerei-Betriebs-G.m.b.H.
Institution:Archiv der sozialen Demokratie (AdsD)
Format: IMAGE
Published: 08.09.1946
Subjects:
Online Access:http://hdl.handle.net/11088/76062660-6863-4927-94EC-5D16F18B6507
Description
Summary:Bemerkungen: [] = Absatzmarken im Volltext des Originals; Gedicht DU [] und die Stadt Dessau [] Kleiner Leitfaden für den Wähler zur Gemeinderatswahl am 8. September 1946 [] Wollt ihr die Freiheit, so seid keine Knechte! [] Wollt ihr das Glück, so schaffet das Rechte! [] Wollt ihr die Früchte, so ackert die Saat! [] Wollt ihr das Leben, so leistet die Tat ... [] Erich Mühsam [] Unsere Heimatstadt Dessau [] hat schwere Schicksalsschläge erleiden müssen. Der rasende Höllentanz des Krieges vernichtete unermeßliche Werte an Gut und Blut. Was Jahrhunderte aufgebaut hatten, sank in der unvergeßlichen Nacht des 7. März 1945 in Staub und Asche. Dessau war eine Stätte der Vernichtung und der Verzweiflung. [] Was sollte am Ende des Krieges geschehen? [] In der verwüsteten Stadt Dessau gab es keine verantwortliche Stadtverwaltung mehr. Es fehlte an jeder Organisation der öffentlichen Angelegenheiten. Kein Zweifel, daß die verbliebene Bevölkerung dem völligen Verderben ausgesetzt war, wenn nicht sofort etwas geschah. Es kam auf die rettende Tat an. Kannst du dich noch erinnern? [] Beherzte Männer sprangen in die Bresche. [] Sie wußten, daß sie eine kaum zu bewältigende Aufgabe auf sich nahmen, sie wußten, daß es unendlich schwer sein würde, die Voraussetzungen für eine Ordnung zu schaffen, sie wußten aber auch, daß ohne ihre Tätigkeit die Stadt verloren sein würde. Deshalb packten sie zu, getragen von einer hohen Verpflichtung für die Gemeinschaft und von ihrem Verantwortungsbewußtsein als rechtschaffene Deutsche. [] Die Sozialistische Einheitspartei [] kann für sich als rühmliche Tatsache buchen, daß es Männer aus ihren Reihen waren, die auch in Dessau sofort an die Arbeit gingen, um das Wohl der Allgemeinheit zu sichern. Zwar gab es damals noch zwei Arbeiterparteien, aber in beiden waren Initiative und Tatendrang gleichermaßen am Werke, der Bevölkerung der Stadt Dessau zu helfen. Die Tatsache dieses gemeinschaftlichen Wirkens gab hier wie anderswo überhaupt erst den Anlaß zur späteren Vereinigung. [] Unerhörtes galt es zu schaffen. [] Das tägliche Brot war zu sichern, Handel und Wandel der Stadt wieder zu beleben, die öffentliche Ordnung und Sicherheit herzustellen und die in der Ruinenstadt besonders schwerwiegende Wohnungsfrage anzupacken, um nur einige wichtige Aufgabengebiete anzudeuten. Es reihte sich Problem an Problem, Schwierigkeit an Schwierigkeit. Aber die neuen Männer verzagten nicht, sie arbeiteten ... [] Was geleistet wurde [] in unermüdlicher, zielbewußter Arbeit, wieviel Hingabe und Opferbereitschaft notwendig waren, um der Bevölkerung die wichtigsten Voraussetzungen für ein Weiterleben zu sichern, wird in späterer Zeit erst in vollem Umfange gewürdigt werden können. Die von der sozialistischen Bewegung herausgestellten Persönlichkeiten und mit ihnen die große Schar von tatbereiten Funktionären waren jedenfalls als verantwortungsbewußte Männer bestrebt, mit allen Kräften dem Wohle der Gemeinschaft zu dienen. [] Über 1500 Wohnungen konnten instand gesetzt werden. [] Das ist eine Leistung, die sich sehen lassen kann. Sie ist von ebenso großer Bedeutung für die Stadt Dessau wie die Tatsache, daß an über 2000 Familien eine Wohnung vermittelt wurde. Bei Kriegsende gab es in Dessau 8188 leichtbeschädigte Wohnungen, 3132 mittelschwerbeschädigte Wohnungen, 1191 schwerbeschädigte Wohnungen, 12933 totalbeschädigte Wohnungen, zusammen: 25 444 beschädigte Wohnungen. [] Was in dieser Ruinenstadt die Wohnraumfrage bedeutet, läßt sich leicht ermessen. Das Wohnungsamt hat deshalb die schwerste Aufgabe zu lösen. Dennoch war es möglich, die wichtigsten Anforderungen zu erfüllen und Härten auszugleichen. Nach dem Stande vom 1. Juni 1946 gibt es in Dessau noch 5387 Wohnungssuchende, die zum großen Teil aber über beschränkten Wohnraum verfügen. Ihnen zu helfen, ist das Bestreben der verantwortlichen Männer, die mit ihrer mühseligen Kleinarbeit bisher schon das Schicksal mancher Familie günstiger gestalten konnten. [] Die Wiederherstellung der Brücken gelang in verhältnismäßig kurzer Zeit. Sowohl über die Mulde, als auch über die Elbe konnten trotz gewaltiger Hindernisse in der Materialbeschaffung die Brücken geschlagen werden, wodurch uns die unmittelbare Verbindung mit den Nachbarstädten und der Anschluß an den Fernverkehr wieder möglich war. Es verdient hervorgehoben zu werden, daß gerade in dieser Hinsicht ein gewaltiges Maß von Energie und Tatkraft erforderlich war, um das gesteckte Ziel zu erreichen. [] Die Wiederbelebung der Dessauer Industrie, die für die Bevölkerung von lebenswichtiger Bedeutung war, konnte dadurch erreicht werden, daß die neuen Männer der Stadtverwaltung jede Hilfeleistung gewährten, die für die Instandsetzung der Werke unumgänglich notwendig war. Namentlich der Hefefabrik Wulf, der Dessauer Zuckerraffinerie, der Bamag, der Firma Köckert und anderen Betrieben wurde durch die Zuweisung von Baumaterialien geholfen. Darüber hinaus setzten sich die Funktionäre der SED in den Betrieben für einen schnellen Aufbau ein, den sie zum Teil selbst leiteten. [] Die Beschaffung von Kartoffeln erwies sich bei dem Mangel an Transportmöglichkeiten als besonders schwierig. Durch die nationalsozialistische Wahnsinnspolitik ergab sich im Beförderungswesen eine trostlose Lage. Es mußten alle Behelfsmittel eingesetzt und immer wieder tausend neue Möglichkeiten ersonnen werden, um den erforderlichen Bedarf sicherzustellen. Es wurde geunkt, daß nichts erreicht und daß der größte Teil der Bevölkerung den Winter nicht überstehen würde. Daß die Versorgung trotz allem einigermaßen sichergestellt wurde, ist im wesentlichen den Männern und Frauen der SED zu danken. [] Kohlen und Brennstoffe hereinzuholen war unendlich schwer. Der normale Jahresbedarf der Stadt Dessau für Gewerbe und Haushalt beträgt 79000 Tonnen. Darin ist der Bedarf für das Wasserwerk, die Schwimmhalle und den Schlachthof nicht enthalten. Koks und Kohlenstaub wird ausschließlich für Krankenhäuser und Kliniken verwendet. Trotz katastrophaler Lage des Transportwesens wurden in den Monaten April bis Juni 1946 1200 Tonnen Koks, 4950 Tonnen Briketts, 9430 Tonnen Rohkohle und 120 Tonnen Kohlenstaub hereingeholt, während 1945/46 17456 Tonnen Briketts und 7615 Tonnen Rohkohle an die Bevölkerung verteilt wurden. In erster Linie mußten natürlich die Ernährungsbetriebe, wie Bäcker, Fleischer usw., voll beliefert werden. Erfreulicherweise war es aber auch gelungen, 3000 Raummeter Brennholz zu beschaffen. Wenn auch manche Wünsche offen blieben und die Anforderungen die Liefermöglichkeiten überstiegen, so ist es doch ein Verdienst der Verwaltung und der SED-Funktionäre, die größten Schwierigkeiten überwunden zu haben. Mit dem Ausbau des Verkehrs wird es auch in dieser Hinsicht wieder aufwärts gehen. [] Den Lebensmittelbedarf in Dessau zu sichern ist ein Kapitel, dem Tag und Nacht die Fürsorge all derer galt, die sich dem Werk der Gemeinschaft verpflichtet fühlen. Was es aber bedeutet, die Bevölkerung satt zu machen, davon geben folgende Zahlen eine gewisse Vorstellung. In der Stadt Dessau werden zur Versorgung der Bevölkerung monatlich benötigt: 833734 kg Brot, 566994 kg Mehl, 40285 kg Fleisch, 228195 kg Eier, 44342 kg Käse, 28091 kg Butter, 36156 kg Margarine oder Oel, 37352 kg Zucker, 80825 kg Marmelade, 58478 kg Nährmittel, 72487 kg Vollmilch, 75562 kg Magermilch. [] Dazu kommen noch Kartoffeln und andere hier nicht aufgeführte Lebensmittel. Es sind viele Güterzüge erforderlich, um diesen Bedarf heranzuschaffen. Das ist eine gewaltige Leistung. [] Ein Streiflicht zur Fleischversorgung liefert die Tatsache, daß auf dem Schlachthof in Dessau die Nazis einen regelrechten Ferkelmord verübten. So wurden geschlachtet: [] im November 1944 1982 Ferkel, [] im Dezember 1944 2246 Ferkel [] im Januar 1945 1992 Ferkel [] im Februar 1945 835 Ferkel, [] im März 1945 208 Ferkel, [] Hinzu kamen noch 227 Ferkel, die bereits verendet angeliefert wurden, insgesamt: 7490 Ferkel. [] Besonders krasse Fälle von unsachgemäßer Verladung wurden am 30. November 1944 und am 22. Januar 1945 beobachtet. Während im ersten Fall aus einem einzigen Waggon 89 erstickte Ferkel ausgeladen werden mußten, waren es im zweiten Fall 43. Daß dieser Ferkelmord die Fleischversorgung in unerhörter Weise beeinträchtigen mußte, war vorauszusehen und deshalb von vornherein ein Verbrechen. Trotzdem ist es den neuen Männern dank gewaltiger Anstrengungen gelungen, die Fleischversorgung einigermaßen zu sichern. [] Auch die Brachlandaktion wurde ein Erfolg. [] Die Bemühungen, neues Land im Stadtgebiet zum Anbau von Gemüse und Kartoffeln zu sichern, hatten ein beachtenswertes Ergebnis. Insgesamt konnten 757 neue Schrebergärten geschaffen werden, davon in Alten 65, in Großkühnau 45, in Kleinkühnau 112, in Törten 81, in Ziebigk 299, in Waldersee 85 und in Mildensee 70. Außerdem wurden 81306 qm Brachland als Schrebergärten in Kultur genommen, so daß insgesamt 286956 qm im Zuge der Brachlandaktion allein von Kleingärtnern neu bearbeitet werden. Hinzu kam die Brachlandaktion des FDGB., die nicht nur 255 ungenutzte Hausgärten der Bewirtschaftung wieder zuführte, sondern auch dafür sorgte, daß 3300 Landbewerber 98,5 Hektar kulturfähiges Brachland erhielten. Schließlich ist noch erwähnenswert, daß 91 Morgen Brachland von Neubauern in Kultur genommen worden ist. [] Das Wachstum der Einwohnerzahl war in Dessau von Monat zu Monat stark spürbar. Um die Wohn- und Lebenslage der Bevölkerung nicht zu gefährden, mußte der Zuzug gewissenhaft gelenkt werden. Dabei war ausschlaggebend, daß der Zuzug nur denen zugestanden werden konnte, die für die Stadt unentbehrlich waren oder sich für den Wiederaufbau als Baufachkräfte und dergleichen als unbedingt notwendig erwiesen. An rund 20000 Personen wurde die Zuzugsgenehmigung erteilt, während noch etwa 20000 weitere Personen auf die Genehmigung warten, die aber erst ausgesprochen werden kann, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Während die Einwohnerzahl der Stadt noch im Mai 1945 61000 betrug, zählen wir heute schon wieder weit über 90000 Einwohner. [] Wie aber stand es um das Wohlfahrtswesen? [] Gerade auf die öffentliche Fürsorge waren in der ersten Zeit nach dem Zusammenbruch Tausende von Dessauer Familien angewiesen. Nachdem die Nazis verschwunden und die Kassen leer waren, gab es zunächst für die Angehörigen der Kriegsteilnehmer ebensowenig Familienunterhalt wie für die sonstigen Fürsorgeberechtigten Invaliden- oder Angestelltenrente, oder Bezüge aus der Knappschaftsversicherung, der Berufsgenossenschaft oder der zusammengebrochenen Deutschen Arbeitsfront. Hilfe war dringend not. [] Es wurden Mittel flüssig gemacht, um hier helfend einzugreifen. Der Initiative des neuen Wohlfahrtsamtes ist es zu danken, daß in der äußerten Not die Bedürftigen ihre ersten Rentenzahlungen wieder erhielten. Aber auch die Anträge auf laufende Unterstützung konnten befriedigt werden. So wurden in der Zeit vom Mai bis Dezember 1945 RM 1258381,- und in der Zeit vom Januar bis Juni 1946 RM 1014101,- an hilfsbedürftige Personen der Stadt Dessau gezahlt. Auch für die Betreuung der Körperbehinderten und Kriegshinterbliebenen konnten namhafte Summen aufgewendet werden. [] Hilfe für die Flüchtlinge und Durchzügler war in erheblichem Maße zu gewähren. Es galt, für die Opfer des Hitlerkrieges das Erdenklichste zu leisten, was trotz aller schwierigen Lebensverhältnisse in Dessau auch geschah. Von dem nach Millionen zählenden Flüchtlingstrom aus dem Osten und der Tschechoslowakei bekam Dessau zwar keine Zuweisungen für dauernden Aufenthalt, aber es mußte ein Durchgangslager zur Aufnahme von 3000 Personen errichtet werden, was mit unendlichen Mühen an der Straße nach Großkühnau möglich wurde. Dieses Lager ist von den zentralen Instanzen als das beste und mustergültigste in der Provinz Sachsen anerkannt worden. [] Die Städtischen Krankenanstalten neu gestaltet zu haben, ist ebenfalls den Funktionären der SED zu danken. Die Gebäude waren zum überwiegenden Teile zerstört. Zu einem umfassenden Neubau fehlte es vor allem an der Zeit, denn es mußte angesichts der Folgen des Krieges schnellstens gehandelt werden. So wurde das Projekt in Dessau-Alten (ehemalige fliegertechnische Vorschule) in Angriff genommen, wozu dann noch die frühere Junkers-Werkschule als Robert-Koch-Haus kam. Die Arbeiten dazu verlangten unendlich viel Geduld und Hilfsbereitschaft, aber das Werk gelang. [] Den Kindern zu helfen war eine besondere Aufgabe, der sich die Stadtverwaltung und auch die Funktionärinnen der SED unterzogen. Es konnte erreicht werden, daß wieder Kinderheime errichtet und daß auch eine Kinderlandverschickung organisiert wurde. Eine große Anzahl von Dessauer Kindern fand Aufnahme in ländlichen Pflegestellen und mit dem Kindererholungsheim Bartelshof (Kreis Calbe) wurde ein Abkommen getroffen, wonach ständig 30 Kinder aus Dessau sich dort einer je sechs Wochen dauernden Kur unterziehen. [] ... und das Gesundheitswesen? [] Mit dem Gesundheitswesen war es wirklich beim Zusammenbruch äußerst schlecht bestellt. Es gab fast keine Aerzte, die Arzneimittelversorgung war völlig ins Stocken geraten und der gesamte Sanitätsdienst der Stadt erwies sich als desorganisiert. Durch energisch durchgeführte Sofortmaßnahmen wurde ein ärztlicher Dienst organisiert, der wenigstens den dringendsten Anforderungen gerecht werden konnte. Aehnlich geschah es mit den Zahnärzten, den Dentisten und Hebammen. [] Die drohende Verseuchung gebannt. [] Wichtig war vor allen Dingen, die Verseuchung der Bevölkerung von Dessau zu verhindern. Die Gefahr erwies sich als äußerst groß, da Dessau durch seine Lage an Elbe und Mulde zu einem Durchgangsort von ungezählten Flüchtlingen wurde. Durch umfassende Maßnahmen, namentlich durch Schutzimpfungen, konnten die Gefahren gebannt und allmählich normale Verhältnisse angebahnt werden. [] Kontrollen aller Lebensmittelbetriebe und -geschäfte erwiesen sich als dringend erforderlich, wenn die Gesundheit der Bevölkerung nicht weiter gefährdet werden sollte. Sie wurden und werden noch ständig durchgeführt und haben mit dazu beigetragen, daß in Dessau keine ernsthaften Gefahren von dieser Seite aufgetreten sind. [] Die Betreuung der Schulkinder, die Säuglings- und Lungenfürsorge waren ein wichtiger Teil der öffentlichen Gesundheitspflege. In umfassender Weise wurde auf diesen Gebieten gewirkt und dafür gesorgt, daß Kranken und Gefährdeten geholfen werden konnte. Bei den Schulkindern erfolgen laufende Kontrollen, um den Gesundheitszustand zu überwachen. [] Die Städtischen Betriebe hatten nach dem Zusammenbruch keine Leitung mehr. Es mußte auch hier zugepackt und dafür gesorgt werden, daß im Interesse der öffentlichen Versorgung und der allgemeinen Sicherheit das Menschenmögliche geleistet wurde. So ist nach Ueberwindung unsäglicher Schwierigkeiten die Feueralarmanlage der Stadt mit vielen Kilometern Freileitung wieder instand gesetzt worden. Von der Städtischen Badeanstalt konnte wenigstens die Wannenbadeabteilung für die Bevölkerung wieder hergerichtet werden. [] Ein Kesselneubau im Schlachthof erwies sich schon in der Nazizeit als dringend notwendig, wenn nicht die gesamten Aufgaben des Schlachthofes gefährdet werden sollten. Es galt hier, mit Energie einzugreifen, und tatsächlich war es möglich, den Neubau des Kesselhauses in Angriff zu nehmen und ihn so weit zu fördern, daß er vor seiner Vollendung steht. [] Das Wasserwerk war zwar unbeschädigt, aber es gab zahllose Kriegsschäden im Rohrnetz, so daß erhebliche Ausfälle registriert werden mußten. In unermüdlicher Arbeit ist an der Instandsetzung gearbeitet worden, so daß die Wasserverluste wesentlich zurückgegangen sind. Mit derselben Energie wurden die Bombenschäden in der Stadtentwässerung beseitigt. Nach Regengüssen sind die Straßen jetzt nicht mehr überflutet, wie es vorher der Fall war. [] Die Flußbadeanstalten in Ordnung zu bringen war keine kleine Aufgabe. Jeder, der den Zustand der ausgeplünderten Badeanstalten kannte, wird ermessen können, welch ein Aufwand von Tatkraft und Energie erforderlich war, um diese wichtigen Einrichtungen der Bevölkerung wieder zugänglich zu machen. Auch die Hochwasserschutzanlagen galt es zu sichern. Im Zuge des Wiederaufbaues werden wichtige Deichverbreiterungen durchgeführt. [] Der Fuhrpark war ein besonderes Sorgenkind, da er mit seinem immerhin kleinen Park an Fahrzeugen die allergrößten Schwierigkeiten lösen muß, die sich im Zuge der Wiederaufbauarbeiten ergeben. Er hat Vorzügliches geleistet, wenn man bedenkt, welche Aufgaben ihm täglich von allen Seiten noch zusätzlich erwachsen. Gleichzeitig besorgt er die Müllbeseitigung, die nach Umfragen in unserem Gebiet und auch in den westlichen Zonen heute schon als vorbildlich angesehen werden muß. [] Die Anlagen in Dessau erfreuen uns wieder. [] Das ist eine Tatsache, über die sich mancher wundert, der nach Dessau kommt. Aber wir sind stolz darauf, daß sich zwischen den Ruinen Oasen befinden, in denen der von den schweren Aufgaben des Tages erfüllte Mensch für eine kurze Spanne ausruhen und freundliche Blickpunkte auf sich wirken lassen kann. Die Stadtgärtnerei müht sich um diese Anlagen sehr und liefert außerdem Frischgemüse in erheblichen Mengen an die Städtischen Krankenhäuser. [] Auch die Dessauer Polizei wurde neu gestaltet. [] Es war ein schwieriges Unterfangen, wenn man bedenkt, daß bei der Zerstörung der Stadt auch ein großer Teil der Polizeidienststellen mit den unbedingt erforderlichen Unterlagen vernichtet worden war, und daß es so gut wie keine Polizeibeamten mehr gab. Es wurden zunächst Hilfspolizisten eingestellt, die den ersten Ordnungs- und Sicherheitsdienst versahen. Aber dann galt es, die letzten Reste der Nazi-Polizei zu zerschlagen und eine für den demokratischen Aufbau geeignete Polizei zu schaffen. [] Ein frischer Zug kam in die Polizei, denn bei der Aufstellung wurde auf Kräfte zurückgegriffen, die die Gewähr boten, in ihrer Tätigkeit wirklich dem Volksganzen zu dienen. So verfügen wir heute über eine gut disziplinierte Schutzpolizei, über eine sachlich geleitete Kriminalpolizei und eine den modernen Aufgaben dienende Verwaltungspolizei, deren Aufgabe es ist, besonders wichtige Einrichtungen zu schützen. Seit kurzem hat als neue Einrichtung die weibliche Verkehrspolizei an den Brennpunkten der Stadt die Verkehrsregelung übernommen. Jedenfalls ist es im Laufe eines Jahres gelungen, aus dem Nichts heraus eine Polizei zu schaffen, die nunmehr auch den stärksten Anforderungen gewachsen ist. [] Auf dem Gebiete der Kultur hielten wir uns für verpflichtet, alles aufzubieten, um in der Zeit der materiellen Nöte den breiten Massen der Bevölkerung das Verständnis zu erschließen für die großen Schöpfungen unserer Meister in der Musik, der Literatur und der dramatischen Dichtung. Die besondere Pflege galt deshalb dem Anhaltischen Landestheater, das ebenfalls völlig neu aufgebaut werden mußte und das dennoch heute als die führende Bühne in der Provinz Sachsen angesehen wird. Obwohl bereits Tausende von Anrechten die Gewähr geben, daß die Theateraufführungen weite Kreise der Bevölkerung erfassen, ist es unser Bestreben, durch weitere umfassende Maßnahmen das Theater so volkstümlich zu machen, daß es zu einem wirklichen Volkstheater wird. [] Für Konzerte, Ausstellungen und bildende Veranstaltungen wurde ebenfalls gesorgt, wobei das Kulturamt fördernd und kontrollierend mitwirkte, was namentlich auch dadurch geschah, daß eine Ueberprüfung aller Kulturschaffenden erfolgte, um eine Wirksamkeit versteckter Nazi-Ideologie auszuschließen. Die Vorbereitungen für die Errichtung einer Volkshochschule wurden in mühseliger Arbeit geschaffen. Sie sind jetzt so weit gediehen, daß mit einer Eröffnung der Volkshochschule in Dessau in Kürze gerechnet werden kann. [] Wichtig war vor allem der Schulunterricht, der in einer Stadt wie Dessau die größten Hindernisse fand. Es gab fast keine Schulen mehr, und die wenigen vorhandenen Räume waren schwer beschädigt. Und dennoch erwies sich der Unterricht als dringend notwendig für die Kinder, deren schulische Erziehung in den letzten Kriegsjahren sehr stark vernachlässigt worden war. Unter Aufbietung aller Kräfte ist auf diesem Gebiete erreicht worden, daß alle Kinder wieder einen regelmäßigen Unterricht erhalten und daß er erteilt wird von Personen, die nicht unter dem Einfluß der nationalsozialistischen Weltanschauung stehen. [] Es wurden erhebliche Summen aufgewendet, [] um den kulturellen Aufbau durchzuführen. Hier ein kurzer Ueberblick. Es wurden ausgegeben 1945/46: [] für den Aufbau der Schulen RM 435000,- [] für den Aufbau der Krankenanstalten, des Städtischen Stifts und andere Gebäude der Fürsorge RM 940000,- [] für das Anhaltische Landestheater RM 180000,- [] für Verwaltungsbauten sowie für die Schwimmhalle, das Krematorium usw. RM 157000,- [] zusammen: RM 1712000,- [] Die Säuberung der Verwaltung war eine Notwendigkeit, die sich aus der Frage des politischen Neuaufbaus ergab. Von dem rund 1000 Personen umfassenden Verwaltungsapparat bei der Uebernahme - die meisten leitenden Beamten waren bereits geflohen - galten nach den später erlassenen Richtlinien zur politischen Säuberung der Verwaltung rund 600 als politisch belastet. Sie mußten durch politisch einwandfreie Kräfte ersetzt werden. Diese Säuberung nahm naturgemäß längere Zeit in Anspruch, aber am 31. März 1946 konnte sie im großen und ganzen als abgeschlossen gelten. [] Die Schulung der neuen Kräfte erfolgt systematisch und gründlich. Wenn auch die Verwaltungsarbeit keine Geheimwissenschaft ist, zu deren Beherrschung man nur durch ein langjähriges juristisches Studium oder durch eine zwölfjährige Militärzeit gelangen kann, so gehören doch zu ihrer Meisterung positive Kenntnisse. Vermittelt werden diese Kenntnisse zwar bereits durch die Praxis des Lebens, aber es kommt darauf an, sie durch eine gründliche theoretische Schulung zu ordnen, auszubauen und zu ergänzen. [] Das alles ist nur ein bescheidener Ausschnitt aus der Fülle der Arbeiten, die zum Segen der Bevölkerung der Stadt Dessau geleistet worden sind. Du siehst, lieber Dessauer Einwohner, dein Wohl und Wehe, deine Sorgen und deine Nöte waren der Gegenstand tausendfältiger Bemühungen aller jener Männer und Frauen, die nach dem nationalsozialistischen Zusammenbruch im Dienste der Oeffentlichkeit wirkten. [] Und doch soll es nur ein Anfang fein, denn selbsverständlich [!] ist die Tätigkeit dieser Männer und Frauen nicht nur darauf gerichtet, den Schutt der nationalsozialistischen Vergangenheit zu beseitigen, ihr Bestreben gilt vielmehr dem Aufbau einer wirklich sozialen Ordnung, die uns allen ein besseres und friedlicheres Dasein beschert. [] Die Sozialistische Einheitspartei vereinigt alle guten und aufbauwilligen Kräfte, denen des Volkes Wohl am Herzen liegt. Sie wurde zum großen Sammelbecken der Massen der Sozialdemokratischen und Kommunistischen Partei und hat die historische Aufgabe übernommen, in dem dunkelsten Abschnitt der deutschen Geschichte die Grundlagen zu schaffen für eine glückliche Aufwärtsentwicklung. [] Alles, was in Dessau bisher geleistet wurde, um eine solche Aufwärtsentwicklung anzubahnen, ist in erster Linie den Männern und Frauen der SED zu danken. Sie haben in unermüdlicher Schaffensfreude zuerst im solidarischen Zusammenwirken und später in der gemeinsamen Organisation die Probleme der Gemeindeverwaltung angepackt und zu einem erheblichen Teil gelöst. Als die Vertreter aller Schaffenden und positiv eingestellten Dessauer waren sie allein dazu berufen und imstande, diese gewaltige Arbeit auf ihre Schultern zu nehmen. Heute stehen sie wiederum in vorderster Linie, wenn es gilt, der Allgemeinheit tatkräftig zu dienen. [] Der SED gehört deshalb auch deine Stimme am Tage der Gemeinderatswahl. Es kommt wesentlich mit auf dich an, wenn die künftige Gemeindearbeit fruchtbar für alte sein soll. Deshalb tritt ein für die SED und sorge dafür, daß ihre erfolgreiche Arbeit für die Allgmeinheit ungestört fortgesetzt werden kann. Du und die Stadt Dessau, ihr seid beide aufeinander angewiesen, aber an dir liegt es, das Schicksal der Stadt Dessau für die nächste Zeit mit zu bestimmen. [] Wähle die Liste der SED, Liste 1 [] G. 03172 2. Dessauer Druckerei-Betriebs-G.m.b.H. 84625.
Published:08.09.1946