Männer und Frauen! Alt und Jung! Herhören!

Bemerkungen: [] = Absatzmarken im Volltext des Originals; Herkunft: SPD-Landesverband Bayern, Signatur 76 Männer und Frauen! [] Alt und Jung! [] Herhören! [] Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands hat sich in seiner Sitzung am 12. 7. 1946 mit der Lage beschäftigt, die sich aus d...

Full description

Bibliographic Details
Main Authors: Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD), Landesverein Kreis Coburg, Coburger Druck- und Verlagsanstalt
Institution:Archiv der sozialen Demokratie (AdsD)
Format: IMAGE
Language:German
Published: 1946
Subjects:
Online Access:http://hdl.handle.net/11088/3DF98416-0DD1-4BA7-A691-8CDD2B755467
Description
Summary:Bemerkungen: [] = Absatzmarken im Volltext des Originals; Herkunft: SPD-Landesverband Bayern, Signatur 76 Männer und Frauen! [] Alt und Jung! [] Herhören! [] Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands hat sich in seiner Sitzung am 12. 7. 1946 mit der Lage beschäftigt, die sich aus der anhaltenden wirtschaftlichen Lähmung, aus der Ernährungs- und Wohnungskrise und aus der andauernden Unsicherheit über das zukünftige staatliche und nationale Schicksal des Volkes ergibt und folgende Entschließung gefaßt: [] "Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands wird ihre Bemühungen fortsetzen, in Zusammenarbeit mit den Besatzungsmächten eine Besserung der Lebensbedingungen und eine befriedigende Lösung der nationalen Lebensfragen des deutschen Volkes herbeizuführen. [] Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands stellt mit Besorgnis fest, das in der letzten Zeit wiederholt der Versuch gemacht worden ist, die verständliche Unruhe der Bevölkerung zu nationalistischen Kundgebungen zu mißbrauchen. Er besitzt Beweise dafür, daß zum Beispiel im Falle der Hamburger Rathaus-Kundgebung reaktionäre und nationalsozialistische Elemente bei der Organisation und Durchführung dieser Kundgebung zusammengewirkt haben. [] Er wendet sich, auf das schärfste gegen einen Mißbrauch der großen sozialen und nationalen Notlage unseres Volkes durch nationalistische Bestrebungen. Jeder Versuch, von welcher Seite er auch kommen mag, das deutsche Volk von neuem in eine chauvinistische Politik zu drängen, wird den entschiedensten Widerstand der Sozialdemokratischen Partei finden, weil eine solche Politik nur zu neuen Katastrophen und zu neuem Elend führt, und weil sie vor allem die Initiative des deutschen Volkes lähmt, durch eigene Anstrengungen der Notlage entgegen zu wirken. [] Die Sozialdemokratische Partei weiß, daß sich hinter den nationalistischen Treibereien vorwiegend jene Kreise verbergen, die infolge ihrer Mitschuld an der gegenwärtigen Katastrophe allen Anlaß hätten, durch äußerste Anstrengungen selbst einen Beitrag zur Erleichterung der Notlage des deutschen Volkes zu leisten. [] Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands erstrebt ein lebensfähiges, demokratisches und sozialistisches Deutschland, das allen seinen Bürgern Arbeit, Brot und Wohnung gibt und auf dem Wege der Verständigung und der Freundschaft mit allen demokratischen Völkern der Welt zusammenwirkt." [] Volksgenossen und Volksgenossinnen in Stadt und Land! [] Unterstützt die Bemühungen der Sozialdemokratischen Partei! Stärkt ihre Reihen! [] Besucht ihre Versammlungen! Werdet Mitglieder der SPD; [] Landesverein Sozialdemokratische Partei [] Kreis Coburg [] Coburger Druck-- und Verlagsanstalt, von der M.-Reg. zugel. 6000. 7.46. [] Für den Text: Aug. Neumann, 1. Vors., Coburg. [] Dr. Kurt Schuhmacher [!], Hannover [] der Reichsvorsitzende der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands [] zur heutigen, politischen Lage. [] Der Prozeß der Umwandlung der deutschen Politik vom bloßen Verwalten im Auftrag der Alliierten zu einem, wenn auch kontrollierten Regieren, ist in den Zonen in vollem Gange. Das kündigt sich in der Ansetzung der Gemeinde- und Kreiswahlen in der britischen und sowjetischen Zone an. In der amerikanischen Besatzungszone ist er am weitesten fortgeschritten. [] Der Mangel an Einheitlichkeit in der Politik der Siegermächte gegenüber Deutschland drückt sich auch in der Politik der Parteien in den Zonen verschieden aus. Diese Parteien sind vorläufig die einzigen handelnden Subjekte in der deutschen Politik. Von ihrer Gestaltung hängt dementsprechend auch alles ab, was mit deutschen Kräften für den Neubau unsere Landes getan werden kann. [] Es ergibt sich jetzt die Notwendigkeit, im Osten für die Demokratie und im Westen für den Sozialismus zu kämpfen. Das bedeutet nicht, daß im Westen alle Leute Demokraten wären. Für viele ist die Demokratie wie vor 1933 nur die Möglichkeit, sich antidemokratisch auswirken zu können. [] Verantwortlich aber für alles, was in den letzten fünfzehn Monaten geschehen ist, kann nur das Dritte Reich sein. Jede Ablenkung von diesem Tatbestand kommt nur dem neuen Nationalismus und seinen verschiedenen Spielarten zugute. Die tatsächliche Verantwortung für das Heute tragen die Militär-Regierungen der Besatzungszonen. Die Verantwortung für die Zukunft aber tragen die Parteien, die sich entscheiden müssen, ob sie eine Politik der Wiederherstellung des Kapitalismus und der Besitzverteidigung um jeden Preis treiben oder ob sie den Neubau Deutschlands, unter gerechter sozialer Lastenverteilung mit dem Ziele des Sozialismus wollen. Die Sozialdemokratie hält jeden Versuch des bürgerlichen Umweges für antinational und antieuropäisch. Letzten Endes ist ja auch das Reich Adolf Hitlers nur ein solcher Umweg der Besitzbürger gewesen, die sich vor sozialistischen Notwendigkeiten schützen wollten. [] Für Sozialismus und Demokratie, für Freiheit der Persönlichkeit und Freiwerden der Nation, für internationale Zusammenarbeit und alles, was zur Sicherung des Friedens der Welt dient, zu kämpfen, ist eine große Aufgabe. Die Sozialdemokratie ist die einzige Partei, die im Sinne dieser Verpflichtung handelt. [] Die Bürgerlichen werden sich entscheiden müssen, ob sie mit ihrer getarnten Politik der Besitzverteidigung die sozialen Spannungen bis zur Zerreißprobe für die Deutschen und für Europa treiben wollen. Die Antwort darauf ist trotz aller sozialen und demokratischen Töne der Ewiggestrigen aus der sozialen Struktur und der geistigen, Herkunft einer unbelehrbaren Schicht bereits gegeben. Die Kommunisten dagegen, gleichgültig, unter welchem Namen sie gerade agieren, müssen die Frage nach dem Recht der Persönlichkeit und der praktischen Durchführung der Demokratie gerade anhand des sozialdemokratischen Beispiels in der Ostzone beantworten. [] Es gibt in der Politik keine Patentlösungen und keine Wunderwaffen. Ob die Notwendigkeit von Sozialismus, Demokratie und Weltfrieden mit den Mitteln marxistischer Analyse, rationalistischer Philosophie, moralischer Kräfte oder aus dem Geiste der Bergpredigt heraus gefunden werden, ist dabei nicht entscheidend. [] Die Verantwortung aber ist groß, denn wir sind die einzige Partei, die ohne jede Einschränkung und Täuschung für die Konsequente Demokratie gegen jede Spielart offener oder versteckter Diktatur, für den Sozialismus gegen jede Möglichkeit kapitalistischer Restaurierung, für den Frieden ohne jede Spekulation auf Spannungen zwischen den Siegern und für ein geeintes Europa kämpft.
Published:1946